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Christina Wagner

Am heutigen späten Nachmittag stampfte die HAMBURG EXPRESS, die erst im November 2024 in Hamburg getauft wurde, zum vorerst letzten Mal die Elbe in Richtung Hamburg hinauf.
Nachdem Hapag-Lloyd die Kooperation "The Alliance" verlassen hat und seit dem 1. Februar 2025 mit der dänischen Reederei Maersk die neue "GEMINI Cooperation" gebildet hat, steht fest, die Containerschiffe der "Hamburg Klasse" werden den Hamburger Hafen nicht mehr anlaufen. Die Schiffe werden zukünftig in Wilhelmshaven abgefertigt und von dort wieder nach Ostasien laufen. Im April wird die SINGAPORE EXPRESS als letztes Schiff der Hapag-Lloyd Megacarrier den Hamburger Hafen anlaufen. Das Konzept der Gemini Coopertion sieht vor, das große Containerschiffe nur noch zentrale Häfen anlaufen, zu denen Hamburg nicht gehören wird. Der Hamburger Hafen soll dagegen zukünftig von kleineren Einheiten bedient werden.
Auch wenn leider auf der Elbe zukünftig etwas fehlen wird, möchte ich die Gelegenheit nutzen und an dieser Stelle die "HAMBURG-KLASSE" etwas näher vorstellen.
DIE MEGACONTAINERSCHIFFE DER HAMBURG KLASSE VON HAPAG-LLOYD

Am 22.12.2020 hatte die Hapag-Lloyd AG zunächst 6 Schiffe der 23.500+ Klasse im Wert von rund 1 Mrd. $ bei der koranischen Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering in Auftrag gegeben. Dieser Auftrag wurde am 17.06.2021 um weitere 6 Schiffe erweitert. Somit erhält die Reederei von 2023 bis 2025 insgesamt 12 Schiffe der neuen HAMBURG-EXPRESS Klasse.
Im Vorfeld der Bauentscheidung wurde bei Hapag-Lloyd längere Zeit über den Bau von Schiffen dieser Größenordnung diskutiert. Bisher waren die 6 Schiffe der A 19 Klasse mit 19.890 TEU die größten Einheiten von Hapag-Lloyd. Doch nicht zuletzt wegen den umfangreichen Bauaufträgen über Ultra-Large Containerschiffe jenseits der 20.000 TEU Marke der Reedereien MSC, CMA CGM, ONE, HMM, Evergreen und OOCL entschied sich Hapag-Lloyd zur Stärkung seiner Marktposition zum Einstieg in den Bereich dieser Containerschiffsgröße.
Noch während des Baus der ersten Schiffe wurde die Daewoo Shipbuilding & Engineering von der südkoreanischen Hanwha Group übernommen und im Mai 2023 in Hanwha Ocean Co. Ltd. umbenannt.
BAULISTE:
Name: | IMO-Nr.: | BNr.: | Ablieferung: |
BERLIN EXPRESS | 9540118 | 4360 | 14.06.2023 |
MANILA EXPRESS | 9540120 | 4361 | 04.08.2023 |
HANOI EXPRESS | 9540132 | 4362 | 27.09.2023 |
BUSAN EXPRESS | 9540144 | 4363 | 05.03.2024 |
SINGAPORE EXPRESS | 9543093 | 4364 | 10.05.2024 |
DAMIETTA EXPRESS | 9543108 | 4365 | 24.05.2024 |
HAMBURG EXPRESS | 9943865 | 4372 | 27.08.2024 |
GDANSK EXPRESS | 9943877 | 4373 | 04.11.2024 |
BANGKOK EXPRESS | 9943889 | 4374 | 03.02.2025 |
ROTTERDAM EXPRESS | 9943891 | 4375 | |
GENOVA EXPRESS | 9943906 | 4376 | |
WILHELMSHAVEN EXPRESS | 9943918 | 4377 |
Am 21. September 2022 wurde mit der BERLIN EXPRESS das erste Schiff auf Kiel gelegt und verließ am 17. Dezember 2022 das Baudock. Die Übergabe erfolgte am 14. Juni 2023. Im August 2023 nahm das Schiff seinen regulären Diest im FE 3 Dienst (Fernostdienst) auf. Am 26. September 2023 traf die "feingemachte" BERLIN EXPRESS in Hamburg ein, wo sie am 2. Oktober von der deutschen "First Lady" Elke Büdenbender getauft wurde.
Die BERLIN EXPRESS war jedoch nicht das erste Schiff der neuen Klasse in Hamburg. Schon am 18. September 2023 lief die MANILA EXPRESS den Hamburger Hafen an. Die Taufe des Schiffes erfolgte am 8. August 2023 bei der Bauwerft in Südkorea.
Bemerkenswert ist, dass der Namensgeber der neuen Klasse, die HAMBURG EXPRESS, erst als 7. Schiff in Fahrt kam. Die Klassenbezeichnung HAMBURG EXPRESS hat aber Tradition bei Hapag-Lloyd. 1972 war die Hamburg Express das erste Schiff der 3. Generation von Hapag Lloyd. Die HAMBURG EXPRESS wurde am 4. November 2024 in Hamburg von der Eva Maria Tschentscher, der Ehefrau des Bürgermesitser von Hamburg, getauft.


Die Schiffe der neuen HAMBURG EXPRESS Klasse sind die ersten Schiffe von Hapag-Lloyd die beim Bau mit einem LNG betriebenen Antrieb ausgerüstet werden. Jedoch sind sie nicht die ersten Schiffe mit einem LNG Antrieb bei Hapga-Lloyd. 2019 entschied sich die Reederei für die Umrüstung der SAJIR.

Die SAJIR gehörte ursprünglich zur A15 Klasse der United Arab Shipping Company (UASC). Nach der Fusion zwischen Hapag-Lloyd und der USAC im Mai 2017 kamen die Schiffe der USAC unter HAPAG-Lloyd in Fahrt. Die SAJIR gehört zu 11 Containerschiffen mit einer Kapazität von 15.000 TEU, die die USAC zwischen 2014 und 2017 übernahm. Die Schiffe dieser Klasse, wie auch die 6 Schiffe der größeren A19 Klasse wurden als LNG Ready Schiffe gebaut. 2019 entschied sich Hapag-Lloyd die SAJIR auf den Betrieb mit LNG umzurüsten. Im Rahmen dieses Projektes wurde erstmalig ein Großcontainerschiff auf den LNG Betrieb umgerüstet. Nach Abschluß der Arbeiten bei der chinesischen HuaRun DaDong Werft wurde sie 2021 als BRUSSELS EXPRESS wieder in Fahrt gesetzt.
Durch den 35. Mio Euro teuren Umbau, insbesondere durch den Einbau des 1.300 t schweren LNG-Tanks in der Rumpfsektion vor dem Schornstein, reduzierte sich die Containerkapazität des Schiffes von 14.993 TEU auf 14.692 TEU. Bisher hat Hapag-Lloyd von weiteren Umrüstungen dieser Art abgesehen.
Technische Beschreibung der HAMBURG KLASSE
Die Schiffe der HAMBURG EXPRESS Klasse haben eine Länge von 399,90 m und eine Breite von 61,0 m. Die Seitenhöhe beträgt 33,20 m und bei einem Tiefgang von 16,50 m erreichen sie eine Tragfähigkeit von 229.348 t. Das Leergewicht der Schiffe beträgt 66.850 t. Die Containerkapaziät beträgt 23.664 TEU, von denen 1.500 als Stellplätze für Kühlcontainer ausgelegt sind. Die Geamthöhe der Schiffe beträgt 72,00 m. Um die Durchfahrtshöhe zu reduzieren, ist der Signalmast auf den Schiffen umklappbar und die Radarmast hydraulisch absenkbar.


Der Antrieb erfolgt über einen 2.246 t wiegenden 11 Zylinder Dual Fuel Dieselmotor des Typs Hyundai-MAN 11G95ME-C10.5-GI x 1-set mit einem Kolbendurchmsser von 0,95
m und einen Kolbenhub von 3,46 m. Mit einer Leistung von 58.270 kW treibt er einen in Deutschland hergestellten 102 t schweren 6-flügligen Propeller mit einem Durchmesser von 10,30 m an.
Damit können die Schiffe eine Geschwindigkeit von 22,0 kn erreichen.
Die Maschine ist auch für den Betrieb mit Very Low Sulphur Fuel Oil (VLSFO), sehr schwefelarmen Treibstoff, wie auch syntethischem Gas ausgelegt.
Die 18.650 m³ fassenden LNG-Tanks unterhalb des Brückenaufbaus sind von neuentwickelten Typ B. Erstemals bei der Hamburg-Klasse wurden die Tanks aus manganhaltigen austenitischem Stahl installiert. Die Vorteile des Materials spiegeln sich in den geringen Materialkosten, leichteren Verabrbeitung und höherer Stabilität wieder. Das LNG wird bei unter -162°C im flüssingen Zustand gelagert. Für die Nutzung wird es durch Erwärmung in den gasförmigen Zustand versetzt.
Nach Angaben der Reederei reduziert sich durch die Verwendung vom LNG die CO2 Emission um 15 bis 25 %, Schwefeldioxid um 95 % und Ruß ebenfalls um 95 %. Durch die schon erwähnte Eignung für syntethische Gase oder e-Methanol ist eine Reduzierung der CO2 Emissionen auf 0 % möglich. Anzumerken ist, das LNG, insbesondere wegen seiner möglichen Methanbelastung, auch kritisiert wird.
Als Manöverierhilfe kommen zwei Bugstrahlruder des Typs Kawasaki KT255B5 mit einnem Propellerdurchmesser von 2,85 m und einer Leistung von jeweils maximal 3.000 kW zum Einsatz.
Die Stromversorgung erfolgt über 5 Dieselgeneratoren ( 4 x 8DE(M)35DF(L) und 1 x 6DE(M)35DF(L) mit einer Gesamtleistung von 18,5 Megawatt. Auch diese Dieselmotoren
sind für den Betrieb mit LNG ausgelegt.
Beidseitig des Schornsteins befindet sich jeweils eine Station für den Anschluss für die Versorgung durch Landstrom. Hierdurch kann während der Liegezeiten in Häfen die Versorgung durch die bordeigenen E-Dieselgeneratoren entfallen.

Auch im Bezug auf die Brandsicherheit setzen die Schiffe neue Maßstäbe und sind mit einer umfangreichen Löschanlage ausgerüstet. Für die Brandbekämpfung an Deck stehen insgesamt 8 Feuerlöschmonitore mit einer Kapazität von 250 m³/h zur Verfügung. Je vier befinden sich auf dem Brückenaufbau und dem Schornstein. Die Wurfweite der Löschmonitore beträgt 110 m. Zur Feuerbekämpfung in den Laderäumen sind die Lukendeckel mit einer fest installierten Sprühanlage ausgestattet.



Technische Daten:
BERLIN EXPRESS | |
GT | 229.376 |
DWT | 229.348 t |
Länge über alles: | 399,90 m |
Länge z. d. Loten: | 383,86 m |
Breite: | 61,00 m |
Seitenhöhe: | 33,20 m |
Gesamthöhe: | 72,00 m |
Tiefgang: | 16,50 m |
Container: | 23.664 TEU |
LNG Tanks Kapazität: | 18.650 m³ |
Antrieb: |
1 Dual Fuel Dieselmotor Typ Hyundai-MAN 11G95ME-C10.5-GI x 1-set |
Leistung: |
58.270 kW |
Propeller: | 1 |
Bugstrahlrunder: | 2 x Kawasaki KT255B5 mit je 3.000 kW |
Geschwindigkeit: | 22,0 kn |
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